David Gaider, ehemaliger Creative Director bei BioWare und Miterfinder der beliebten "Dragon Age"-Serie, hat in einem Interview kürzlich eine sorgenvolle Prognose über den kreativen Zustand der Videospielindustrie abgegeben. Seiner Ansicht nach laufen kreative Ideen zu neuen, originellen und fesselnden Titeln langsam aber sicher aus, eine Entwicklung, die sowohl für Entwickler als auch für Spieler Sorgen bereiten kann. Dies gilt insbesondere für Spiele, die sich auf Fantasy, Open-World-Exploration und epische Storylines stützen.

Ein Abschluss einer Ära

Gaider, der für seine Arbeit an der Charakterentwicklung und Schreibweise der Dragon Age-Reihe bekannt ist, sieht sich gezwungen, einen realen Prozess zu beschreiben: "Wir entwickeln immer mehr Spiele, die sich voneinander nicht unterscheiden. Die Formeln sind bereits bekannt, und es gibt keine echten Innovationen mehr". Er betont, dass viele Studios heutzutage lieber etablierte Formate wiederholen, anstatt Risikomechanismen oder neue Storykonzepte zu erforschen.

Ein weiterer Punkt, den Gaider in seiner Analyse kritisch erwähnt, ist die Abhängigkeit von Massenproduktion. "Studios suchen nach dem nächstbesseren Franchise, das mit Sicherheit Erfolg hat – sie investieren nicht in kreative Risiken, sondern in voraussehbare Erfolge", erklärt er. Er nennt als Beispiele Serien wie "Assassin's Creed" oder "Call of Duty", in deren Entwicklungsstrategien sich eine klare Zyklenbildung abzeichnet.

Woran liegt es?

Nach Ansicht Gaider ist ein zentraler Grund für diesen kreativen Verfall die Konsolidierung der Marktleistung bei wenigen Studios und Verlagen. "Die grossen Publisher bevorzugen Serien mit geringer kreativer Risikobereitschaft, aber hoher Investitionsrendite. Das bedeutet, dass es immer schwerer wird, unabhängige Ideen zu finden und realisieren." Gaider nennt auch den Trend, sich immer stärker auf Franchise-Risiken zu verlassen, statt kreative Risiken einzugehen.

Die Rolle der Spieler

Er erwähnt in diesem Kontext, dass auch die Spieler dazu beitragen können, die Ideen wiederbeleben. "Viele fragen nach Innovationen, aber am Ende kauft niemand das unabhängige Spiel, das diese Innovationen bietet. Stattdessen konsumiert man lieber Serien, die man kennt, und ignoriert Risikotitel."

Mögliche Lösungen

    • Eine stärkere Förderung kleiner Studios, durch Crowdfunding oder Publisher-Support.
    • Ein Wandel in der kulturellen Auffassung, dass Serien immer besser sind als unabhängige Titel.
    • Die Bereitschaft von Entwicklern und Verlagen, kreative Risiken einzugehen, um die Ideen wiederbeleben zu können.

Diese Ansätze, so Gaider, könnten eine Wiederauferstehung der kreativen Ideen in der Spielindustrie ermöglichen – eine Notwendigkeit, wenn man den Fans langfristig fesselnde und innovierende Titel bieten will.

Ein offenes Plädoyer an die Branche

Bei seiner Rede betont Gaider auch, dass die Lösungen der Branche nicht allein in kreativen Köpfen liegen, sondern auch in einer kulturell gestützten Veränderung in der gesamten Kette: Entwickler, Publisher, Investoren, aber auch Fans selbst. "Ohne Support von allen Seiten, haben kreative Ideen keine Zukunft", warnt er. Gaider bleibt optimistisch, dass es möglich ist, den kreativen Fluss wieder anzustoßen – solange genügend Menschen bereit sind, für Innovation zu kämpfen.